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Die Kunst des Vermögensaufbaus 1: Der Weg zur Börse


Es gibt wohl wenige Faktoren, die unser Leben so bestimmen wie das liebe Geld. Schon Kinder lernen mit Taschengeld zu haushalten. Erwachsene stehen indes vor einer ungleich größeren Aufgabe: Sie müssen das zur Verfügung stehende Kapital vermehren.

Auf die Grundzüge reduziert, verläuft das Leben in sehr überschaubaren Bahnen. Da gibt es die existenziellen Triebbestrebungen nach Nahrung, Trinken, Schlaf und nach Sexualität, die unser Handeln maßgeblich bestimmen – eben die körperlichen Grundbedürfnisse, wie sie der US-Psychologe Abraham Maslow in seiner viel zitierten Bedürfnispyramide skizziert.

Bereits auf der zweiten Stufe steht das Bedürfnis nach Sicherheit, das maßgeblich von Determinanten wie einen Wohnung, eines Job, der Gesundheit und der freiheitlichen Lebensplanung bestimmt wird. Und doch stößt der Mensch auch innerhalb einer demokratischen Gesellschaftsform, die unverletzliche Persönlichkeitsrechte voraussetzt, immer wieder auf seinem Lebensweg an die Grenzen dieser Freiheit.

Geld – “Maßstab der freien Welt”

Nicht selten sind diese Grenzen materieller Natur. Die wenigsten Bundesbürger können ein Leben komplett frei von materiellen Fesseln führen – immer wieder spielt das liebe Geld eine Rolle in unserem Leben. Entsprechend treffend nannte der ungarische Grandseigneur der Börse, André Kostolany, Geld einst “den Maßstab der freien Welt”. Der englische Dramatiker George Bernard Shaw formulierte es in seiner unnachahmlichen Art ganz ähnlich: “Geld ist nichts. Aber viel Geld, das ist etwas anderes”.

Warum, wird im Alltag immer wieder deutlich: Es gibt wohl keine konstantere Motivation, die den Menschen durch das Leben treibt, als eben die Jagd nach dem Geld. Natürlich: Wer nicht in totaler Armut lebt und sich also nicht um das nächste Abendbrot sorgen muss, wird über einen gewissen Bedürfnispuffer verfügen. Doch spätestens mit der eigenen Wohnung wächst der materielle Druck: Die Miete samt Nebenkosten muss aufgebracht, die Haftpflicht- und Hausratversicherung bezahlt, die Lebenshaltungskosten bestritten werden.

Problemfaktoren Arbeitsmarkt und Altersvorsorge sensibilisieren für den Vermögensaufbau

Schnell, ganz schnell entsteht beim erwachsenen Menschen die Notwendigkeit nach regelmäßigen Kapitaleinkünften. Der normale Weg dazu ist natürlich die Arbeit. Doch gerade die unerfreuliche Entwicklung in diesem Jahrzehnt lehrt: Arbeit ist ein Gut, auf dessen Bestand sich kaum noch jemand hundertprozentig verlassen kann. Über fünf Millionen Bundesbürger waren im vergangenen Winter phasenweise ohne Arbeit – ein Armutszeugnis für eine der wohlhabendsten Gesellschaften in der westlichen Welt.

Wohl dem, der für harte Zeiten finanziell vorgesorgt hat. Das gilt in besonderem Maße auch für das Alter, für das nach der rückläufigen Entwicklung der Renten immer weniger zur Verfügung steht. So soll Rentnern ab 2030 nur noch 43 Prozent des Durchschnittsgehalts nach Sozialabgaben und vor Steuern als Mindestrente garantiert werden – und das auch nur bei einer angenommenen, jedoch sehr unrealistischen, Arbeitsdauer von 45 Jahren. Wer durch eine lange Ausbildung, zeitweiser Arbeitslosigkeit, Kindererziehung oder einem vorgezogenen Rentenbeginn mehrere Jahre bei der Beitragszahlung einbüßt, kommt folglich auf entsprechend geringere Leistungsansprüche, die schnell gen heutigem Sozialhilfeniveau tendieren können.

Über den Job, das Erbe, die Heirat oder gar das Glücksspiel zum Vermögen?

Klar wird spätestens jetzt: Um den Turbulenzen des Lebens so gut gerüstet wie möglich zu begegnen, wird das Streben nach finanzieller Unabhängigkeit zur Lebensaufgabe. Doch wie baut man eigentlich ein Vermögen auf, wenn man nicht mit ihm geboren wurde? Mit dem täglichen Broterwerb gelingt es offenbar nur einer Minderheit des Bundesbürger – nicht jeder bringt es schließlich zur großen Karriere oder erfolgreichen Firmengründung.

Ein fraglos weitverbreiteter Weg führt über das Erbe. Unglaubliche 2,5 Billionen Euro werden in Deutschland in den nächsten zehn Jahren wohl vererbt werden. Doch die Erbengeneration hat dabei ein entscheidendes Problem: Sie weiß nicht, wann sie ihr an vermeintliches Vermögen kommt – und wie viel es dann noch wert ist, wenn es sich zum Beispiel um zu veräußernde Sachwerte wie Immobilien handelt, die nach der bekannten Demografieentwicklung nicht unbedingt an Attraktivität gewinnen dürften.

Es gibt noch andere, mitunter recht kuriose Versuche, um ans vermeintlich große Geld zu kommen: So führt das “Prinzip pures Kalkül” schon mal zu eigentümlichen Ehe-Konstellationen, in der Praxis aber oft genug nicht zu einer größeren finanziellen Freiheit. Das “Prinzip Hoffnung” führt Millionen Bundesbürger Woche für Woche indes zur Lotto-Annahmestelle…

“Wer kein Geld hat, der muss spekulieren”

Das Prinzip der Logik schlägt dagegen eine andere Richtung ein – nämlich die zur Börse. Dass dort – eher früher als später – ohnehin jeder landen sollte, der nicht schon mit dem goldenen Löffel geboren wurde, erklärt André Kostolany in einem seiner meistzitierten Bonmots: “Wer viel Geld hat, darf nicht spekulieren. Wer etwas Geld hat, kann spekulieren. Und wer kein Geld hat, der muss spekulieren.”

Obschon der eloquente Ungar in der Bundesrepublik bis heute Kultstatus genießt, scheinen seine Börsenweisheiten immer mehr in Vergessenheit zu geraten. Nicht einmal zehn Millionen Bundesbürger sind derzeit über Aktien oder Aktienfonds an der Börse engagiert. Stattdessen wird immer öfter der risikoaverse Weg eingeschlagen: Nach Erhebungen der Fondsgesellschaft Fidelity lassen mehr als 70 Prozent der Bundesbürger ihr Geld auf Sparbüchern, Sparbriefen oder Festgeldkonten verkümmern, deren Verzinsung teilweise gar die Inflationsrate unterschreitet. Solche sicherheitsorientierten Anlageinstrumente besitzen jedoch bestenfalls einen werterhaltenden Charakter: Bei beständigen Verzinsungen von ca. zwei Prozent vermehrt sich nach Abzug der Inflationsrate kein Kapital.

Langfristige Kapitalvermehrung: Das Wunder des Zinseszins

Dies geschieht vielmehr über das Wunder des Zinseszinseffekts erst in anderen Renditedimensionen. Wer etwa eine Einmaleinzahlung von 10.000 Euro bei einer jährlichen Rendite von fünf Prozent, die von einem durchschnittlichen Fonds erwartet werden kann, zehn Jahre für sich arbeiten lässt, kann sich über die Wertsteigerung von knapp 63 Prozent freuen. Liegt die Durchschnittsrendite womöglich bei 8 Prozent, was ein guter Fonds durchaus leisten kann, erfolgt über zehn Jahre gar mehr als eine Verdopplung – aus 10.000 Euro wären 21.589 Euro geworden.

Bringt der Anleger noch einen längeren Atem mit und lässt das Kapital 20 Jahre für sich arbeiten, kommt er auf die stolze Summe von 26.533 Euro bei einer Durchschnittsrendite von 5 Prozent bzw. bei einer Durchschnittsrendite von 8 Prozent gar auf stattliche 46.610. Hält der Sparer seiner Anlage noch ein weiteres Jahrzehnt die Treue, hätten sich die ehemals eingezahlten 10.000 Euro nach 30 Jahren gar auf erstaunliche 100.627 Euro vermehrt (Durchschnittsrendite: wieder 8 Prozent)!

Die Börse – der Königsweg des eigenständigen Vermögensaufbaus

Schlagender könnten die Argumente für ein Engagement am Aktienmarkt kaum ausfallen: Die Börse ist also zweifellos der Königsweg des eigenständigen Vermögensaufbaus. Keine andere Anlageklasse kann über Jahrhunderte hinweg ähnliche Argumente für nachhaltige Renditechancen vorweisen. Dass viele Bundesbürger dennoch immer noch vor der Anlageform der Aktie zurückschrecken, mag zu einem Gutteil auch am geheimnisumwitterten Image der Börse liegen – schließlich stehen den vielen exorbitanten Kapitalvervielfachungen auch dramatische Verluste gegenüber.

Quelle/Source: yeald.de

AddThis Social Bookmark Button     Posted in Deutsch from Investor on 21. Nov. 2006


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