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Die Kunst des Vermögensaufbaus 7: Die Qual der Wahl


Jeden Tag locken vermeintlich neue Anlagechancen: Seit jeher üben die Aktienmärkte einen ungebrochenen Reiz aus, aber auch Private Equity- oder Rohstoff-Investments gewannen zuletzt an Bedeutung. Ein Überblick über die verschiedenen Assetklassen.

Es wird wieder mehr gespart in Deutschland. Wie der Deutsche Sparkassen- und Giroverband (DSGV) vorgestern in seinem jährlich erstellten Vermögensbarometer vorrechnete, ist die Bereitschaft der Bundesbürger, für das Alter vorzusorgen, wieder etwas gewachsen. So stieg die Sparquote von 10,4 Prozent auf 10,6 Prozent im abgelaufenen Jahr – das entspricht der Gesamtsparsumme von 157 Milliarden Euro.

Im Boomjahr 2000 hatte die Sparquote dagegen lediglich 9,2 Prozent betragen. “Jeder zehnte Euro, den die Bundesbürger zur Verfügung haben, wird gespart”, resümierte DSGV-Präsident Heinrich Haasis zufrieden. Im ersten Halbjahr des laufenden Jahres hielt der Trend an: Die Bundesbürger sparten bislang 78 Milliarden Euro – das entspricht einer monatlichen Sparsumme von 160 Euro pro Bundesbürger.

Deutsche Sparer gehen nach wie vor auf Nummer sicher

Doch wohin fließt das viele Geld eigentlich? Das mit 65 Prozent beliebteste Vorsorgeprodukt der Deutschen ist weiterhin die Lebensversicherung, gefolgt vom Bausparvertrag (57 Prozent) und dem Sparbuch (53 Prozent). Die Betriebliche Altersvorsorge (49 Prozent) folgt fast gleichauf mit selbst genutzten Immobilien (47 Prozent).

Danach klafft in der Statistik eine erstaunliche Lücke: Erst auf dem 6. Platz – gemeinsam mit der Festgeldanlage – sind dann mit lediglich 29 Prozent Investmentfonds zu finden. Die Aktie ist als Investmentvehikel gar erst abgeschlagen auf dem achten Platz gelandet und wird von lediglich 24 Prozent der deutschen Sparer beim Vermögensaufbau verwendet. Festverzinsliche Wertpapiere (Anleihen) folgen nach der Riester-Rente (22 Prozent) auf Platz zehn (20 Prozent).

Für Klaus-Jürgen Baum, Sprecher der Geschäftsführung von Fidelity International in Deutschland, ist diese Gewichtung jedoch alles andere als glücklich: “Insbesondere im Hinblick auf die Altersvorsorge achten viele Menschen nicht darauf, ihre Ersparnisse ihren Zielen entsprechend anzulegen”, erklärte Schirmherr der Initiative “Einfach Investieren” am Donnerstag. Was Baum damit meint, wird beim Blick auf die Renditemöglichkeiten der einzelnen Assetklassen deutlich:

Sparbuch, Tages- und Festgeld, Bundesschatzbriefe

Die konservativste aller Risikoklassen wird beim Fragebogen gemäß Wertpapierhandelsgesetz mit “A”, d.h. als “sicherheitsorientiert” eingestuft. Die Anlage dient der Substanzerhaltung des Kapitals – die Ertragsmöglichkeiten sind entsprechend sehr begrenzt. Mit dem Sparbuch lässt sich bekanntermaßen gegenwärtig kaum mehr als ein mickriges Prozent Verzinsung erzielen – trotzdem bunkern die Bundesbürger hier immer noch die Unsumme von mehr als 150 Milliarden Euro. Bei einer Inflationsrate von gegenwärtig deutlich über einem Prozent verliert der Sparer mit dem Sparbuch also langfristig gar an Kaufkraft.

Etwas ertragreicher ist die Anlage in Fest- oder Tagesgelder, deren Verzinsung sich maßgeblich am gegenwärtigen Leitzinsniveau der Notenbank orientiert, Sparern ihr Kapital jedoch traditionell moderat schwächer verzinst. Gegenwärtig liegt der Leitzins der Europäischen Zentralbank (EZB) bei 3,25 Prozent. Festgeldanlagen, die Kapital über einen definierten Zeitraum – von meistens mehreren Monaten bis zu einem Jahr – zu einem festgelegten Zinssatz binden, liegen meist moderat über dem Tagesgeldniveau.

Auf Basis des gegenwärtigen Leitzinsniveaus können Anleger also auf diesem Weg bei den zinshöchsten Anbietern mit einer sicheren Tagesgeldverzinsung um die drei Prozent rechnen – Bundesschatzbriefe, deren Zinssätze über die Laufzeit von Jahr zu Jahr steigen, dabei jedoch über sechs (Typ A) oder sieben Jahre (Typ B) gehalten werden müssen, bringen es gegenwärtig auch nur auf gut dreieinhalb bis knapp vier Prozent. Das Renditeniveau verdeutlicht: Diese Anlageklasse ist vor allem für Kapital geeignet, dessen Werterhalt an erster Stelle steht.

Anleihen

Eine Risikoklasse höher (B) befindet sich die Gattung der Anleihen. Das Prinzip ist schnell erklärt: Eine Anleihe ist eine Schuldverschreibung z.B. eines Staates (Staatsanleihen), einer öffentlichen Körperschaft (z.B. Gemeinden) oder eines Unternehmens (Corporate Bonds) über eine bestimmte Laufzeit zu einem bestimmten festgelegten Zinssatz (Kupon). Der Hintergrund: Der Emittent benötigt zur mittel- oder langfristigen Finanzierung. Der Hintergrund: Der Emittent benötigt zur kurz- oder langfristigen Finanzierung Kapital, für dessen Bereitstellung der Kreditgeber (Gläubiger) meist eine feste jährliche Verzinsung erhält. In aller Regel am Ende der Laufzeit tilgt der Emittent die Anleihe zum Nennwert – vorausgesetzt, der Schuldner ist zahlungsfähig.

Der eigentliche Reiz des Anleihegeschäfts besteht darin, bei einem überschaubaren Ausfallrisiko Renditen über dem Geldmarktniveau zu erzielen. In der Praxis gestaltet sich dieses Unterfangen jedoch zunehmend schwerer: “Schon für ein bisschen Gewissheit muss man einen hohen Preis zahlen”, erklärte schon der erfolgreichste Anleger aller Zeiten, Warren Buffett. In der Praxis bedeutet das, dass Anleihen von Staaten oder Unternehmen mit einem guten bis sehr guten Rating (bonitätsmäßige Einstufung) kaum eine Rendite von über 4 Prozent abwerfen – es sei denn, es handelt sich um eine Anleihe mit langer Laufzeit (über zehn Jahre).

Mit im Blick haben muss der Anleger beim Anleihenkauf somit ebenso den Kurs der Anleihe, der täglich im Börsenhandel schwanken kann. Als Faustregel gilt: Steigt das Leitzinsniveau, sinken die Kurse der Anleihemärkte – und umgekehrt. Nicht nur für sicherheitsorientierte Anleger ist der Besitz von Anleihen ein Basisinvestment: Allerdings sollte die Auswahl wie bei der Aktie zum entsprechenden Risikoprofil des Anlegers passen. Wer bei Renditen von sechs oder sieben Prozent mit dieser defensiven Anlageklasse schlaflose Nächte wegen berechtigter Ausfallrisiken verbringt, macht etwas falsch. Dass eine Zahlungsunfähigkeit des Schuldners durchaus nicht immer ausgeschlossen werden kann, bewies erst vor einigen Jahren der traurige Fall der Argentinien-Anleihen.

Aktien und Aktienfonds

Die bei weitem ertragreichste Anlageklasse der Aktien (Risikoklassen C – E) erfordert vom Sparer bekanntermaßen jedoch auch die größte Risikobereitschaft. Wie wir schon in vorangegangenen Artikeln gesehen haben, lassen sich mit der Aktie Renditen erzielen wie mit keiner anderen Anlageklasse: Wer etwa 10.000 Euro mit der jährlichen Durchschnittsrendite von 8 Prozent, die in den vergangenen Jahrzehnten sowohl im MSCI World Index, als auch im Dow Jones, als auch Dax erzielt worden ist, hätte 30 Jahre mit einem Aktieninvestment für sich arbeiten lassen, würde sich heute über stattliche 100.000 Euro freuen.

Der Weg zur Partizipation an den Aktienmärkten ist vielfältig. Da ist einmal das Direktinvestment in eine Aktie eines Unternehmens: Der Aktionär wird auf diesem Wege Miteigentümer des Unternehmens (Anteilseigner). Diese Anlageform, direkt am Unternehmenserfolg (oder –misserfolg) zu partizipieren, ist sicher für den Großteil jener geheimnisumwitterten Aura verantwortlich, die die Börse seit ihren frühen Tagen umweht. Mit Aktieninvestments sind die größten Erfolgsgeschichten der Geldanlage verbunden – etwa den fantastischen Aufstieg der Anteilsscheine von Berkshire Hathaway, die 1962 noch für 7 Dollar je Stück zu haben waren und in der vergangenen Woche erstmalig die 100.000-Dollarmarke durchbrachen. Die Kehrseite der Medaille ist eine mögliche Unternehmenspleite, die oft genug im Totalverlust des eingesetzten Kapitals endet, wie viele Anleger noch aus den wilden Zeiten des Neuen Marktes wissen.

Eine vermeintlich risikoärmere Form der Partizipation am Aktienmarkt stellt die Anlage in Investmentfonds da, die ihren endgültigen Durchbruch im 18-jährigen Bullenmarkt der 80er- und 90er-Jahre erlangten. Das Grundprinzip klingt nur allzu verlockend: Das Kapital wird auf verschiedene Aktien verteilt. Ein Fondsmanager übernimmt dabei für den Anleger die Auswahl und die Verwaltung der vermeintlich vielversprechendsten Aktien. In der Praxis erweisen sich die Vorteile eines Fondsinvestments jedoch oft als Mythos: Die Statistik lehrt, dass vier von fünf Fondsmanagern den jeweiligen Index nicht schlagen. Als entsprechende Alternative drängt sich daher der in den letzten Jahren boomende Zertifikatemarkt auf. Anleger sparen sich hier zudem den oft happigen Ausgabeaufschlag, der schnell bis zu 5 Prozent des Fondspreises betragen kann, und investieren direkt in einen Index ihrer Wahl.

Rohstoffe und Private Equity

Ebenfalls über Zertifikate bekommen Anleger auch immer öfter Zugang zu einer Anlageklasse, die in diesem Jahrzehnt einen Boom erfahren hat, der seinesgleichen sucht – Rohstoffe. Der lange als spekulativ verschriene Markt, dessen mitunter scharfe Kursbewegungen durch Terminkontrakthandel verursacht werden, erlebte in der Baisse der Aktienmärkte seit 2000 eine echte Renaissance. Anlage-Veteranen wie Jim Rogers preisen die Rohstoffmärkte seit Jahren als Alternativinvestment zu den Aktienmärkten: In der Vergangenheit entwickelten sich Rohstoffe und Aktien nämlich oft antiproportional. So haussierten Rohstoffe zwischen 1968 und 1982, als sich die Börse in einem schweren Bärenmarkt befand. Zwischen 1982 und 2000 drehte sich das Verhältnis um.

AddThis Social Bookmark Button     Posted in Deutsch from Investor on 24. Feb. 2007


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