Investment-Mythos 1: Hohe Rendite bei niedrigem Risiko
Wer will das nicht? Maximale Rendite bei minimalem Risiko. Es ist der Wunsch fast aller Investoren. Gleichzeitig ist es der wichtigste Grund, warum Investoren enttäuscht werden.
Will der Investor betrogen werden? Es sieht fast so aus. Egal, welche Marktforschung zum Thema Investment man in die Hand nimmt, das Ergebnis ist immer gleich. So wurden Investoren jüngst in einer Marktforschung im Auftrag des BVI (Bundesverband Investment und Asset Management) gefragt, welche Kriterien eine Finanzanlage bieten muss. Die Antworten „Maximale Rendite“ und „Sicherheit“ belegten die Plätze eins und zwei.
In der Praxis können diese zwei Wünsche nicht gleichzeitig vollständig verwirklicht werden. Es ist leider nicht so, dass Investments, die die höchste Rendite bieten, auch gleichzeitig höchste Sicherheit gewährleisten. Das Gegenteil ist der Fall. Investments mit höchster Rendite sind Investments mit höchstem Risiko.
Wenn es in der Finanzwelt ein Naturgesetz gibt, dann ist es dass Risiko und Rendite Hand in Hand gehen.
Markowitz, Sharpe und Lintner haben die Abhängigkeit zwischen Risiko und Rendite sowie die Abhängigkeit zwischen einzelnen Wertpapieren in Theorie und Praxis untersucht. Ihre nobelpreisgekrönte Arbeit hatte unter anderem das Capital Asset Pricing Model als Resultat.
Das Capital Asset Pricing Model besagt folgendes. Wenn man alle verfügbaren Wertpapiere in allen möglichen Verhältnissen mit einander kombiniert, gibt es eine kontinuierliche Reihe von Kombinationen (Portfolios), die ein optimales Verhältnis von Risiko und Rendite besitzen.
Ein optimales Verhältnis von Risiko und Rendite bedeutet, dass es bei gleich bleibendem Risiko keine andere Kombination gibt, die eine höhere Rendite generiert. Ebenso gibt es keine andere Kombination, die bei gleich bleibender Rendite ein niedrigeres Risiko generiert. Somit kann innerhalb der Reihe von optimalen Portfolios nur mehr Rendite erreicht werden, wenn der Investor mehr Risiko eingeht. Risiko und Rendite gehen Hand in Hand.
Natürlich gibt es neben den optimalen Portfolios eine noch größere Anzahl von nicht-optimalen Portfolios. Ein Portfolio ist nicht optimal, wenn es möglich ist, ein Portfolio zu finden, dass eine gleiche Rendite bei niedrigerem Risiko erwirtschaftet, oder bei gleichem Risiko eine höhere Rendite.
Weil viele Investoren kein optimales Portfolio haben, ist es in der Praxis oft möglich, ein Portfolio zu optimieren. Hierdurch wird eine höhere Rendite bei gleichem oder sogar niedrigerem Risiko erreicht. Hat ein Investor aber ein annähernd optimales Portfolio, darf er nur eine höhere Rendite erwarten wenn er bereit ist, mehr Risiko einzugehen.
Während diese zentrale Finanzmarkttheorie bei der Beratung von Privatinvestoren selten zum Einsatz kommt, gehört sie bei institutionellen Investoren zum Handwerk.
Wie jedes Modell ist auch das Capital Asset Pricing Model eine Vereinfachung der Wirklichkeit und besitzt damit Unvollkommenheiten. Eine interessante Unvollkommenheit betrifft das Portfolio mit dem niedrigsten Risiko. Während in der Reihe der optimalen Portfolios Risiko und Rendite immer gemeinsam ansteigen, generiert das Portfolio mit dem niedrigsten Risiko in der Praxis nicht die niedrigste Rendite, sondern eine höhere Rendite als theoretisch erwartet. Diese Anomalie des Modells wird von wenigen Investmentfonds genutzt, um ein besonders günstiges Verhältnis von Risiko und Rendite zu erreichen.
Bis auf diese kleine Ausnahme gilt generell das finanzielle „Naturgesetz“. Risiko und Rendite gehen Hand in Hand. Mehr Rendite erfordert mehr Risiko. Die Tatsache, dass aber die Mehrheit der Investoren sich genau das Gegenteil wünscht, sorgt seit Jahrhunderten für Enttäuschungen.
Denn Anbieter von Investments verkaufen am meisten, wenn sie den Investoren das bieten, was diese haben möchten: Hohe Rendite bei niedrigem Risiko. Ob aus Geldgier oder aus Unwissenheit, immer wieder haben Investmentverkäufer den Investoren vorgegaukelt, dass es möglich ist, diesen Wunsch zu verwirklichen. Und immer wieder wollen die Investoren ihnen nur all zu gerne glauben. Enttäuschung ist somit vorprogrammiert.
Noch immer ist es so, dass viele Investoren meinen, ein guter Berater ist einer, der über „Insidertipps“ verfügt oder der gesichert weiß, wie sich die Finanzmärkte zukünftig entwickeln werden.
Vergessen Sie nicht, hohe Rendite bei niedrigem Risiko ist Unsinn.

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