Investor Today  

Investment-Mythos 10: Geldanlage ist eine finanzielle Entscheidung


Sie hat aber eine nicht-finanzielle Seite, die mindestens so wichtig ist.

Leider ist es noch immer so, dass viele Investmentberater eine Investmentstrategie anhand von individuellen Wertpapieren und Finanzmarktprognosen definieren. Professionelle Berater gehen so nicht vor. Sie definieren eine Anlagestrategie mittels eines gewählten Risiko-/Rendite-Niveaus (Strategic Asset Allocation). Diese Definition ist unabhängig von individuellen Wertpapieren und Markteinschätzungen.

Bei der Definition der Strategie geht es nicht darum, vorherzusagen, wie die Finanzmärkte sich entwickeln werden. Sondern es geht darum, zu entscheiden, wie viel Risiko ein Investor im Negativfall noch akzeptieren könnte und möchte.

Hierbei spielt die Länge des Anlagezeitraums eine entscheidende Rolle. Je länger ein Kunde anlegen kann, desto mehr Volatilitätsrisiko kann er theoretisch eingehen. Dieses setzt voraus, dass das Geld auch tatsächlich für die angegebene Zeit zur Verfügung steht. Würde ein Investor während des Anlagezeitraums kalte Füße bekommen, zum Beispiel weil die Märkte heruntergegangen sind, würde viel Wert vernichtet werden. Denn der Investor verkauft zu einem Tiefstand. Und steigt erst wieder ein, nachdem er genug „Beweis“ erhalten hat, dass die Märkte auch wieder ansteigen. So verpasst er zusätzlich den Aufschwung.

Aus diesem Grund ist es bei der Erstellung einer Anlagestrategie für einen Investor extrem wichtig, zu erörtern ob er tatsächlich für den geplanten Zeitraum investiert sein möchte, in guten und in schlechten Zeiten. Diese Analyse ist nichts anderes als eine „Verzichtsanalyse“ und eine „Psychoanalyse“.

Die Verzichtsanalyse erörtert, ob ein Investor sein Geld zwischenzeitlich eigentlich doch bräuchte. Deswegen ist es für einen Investor wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein.

Ein typisches Beispiel ist folgender Praxisfall. Ein Investor hat grundsätzlich einen langen Anlagehorizont von 20 Jahren. Aber es könnte sein, dass er sein Geld bereits in 3 Jahren für einen größeren Immobilienkauf bräuchte. Ob das so tatsächlich kommt, weiß er allerdings noch nicht mit Sicherheit. Die Frage ist jetzt, für welchen Anlagehorizont geplant wird. Investoren die nicht ehrlich zu sich selbst sind könnten sagen: „Wir legen das Geld mit einem Horizont von 20 Jahren an. Und wenn ich das Geld in drei Jahren brauche, sehen wir dann weiter. Wir legen mit einem hohen Risiko an. Es wird schon nichts schief gehen.“

Jetzt tritt ein für den Investor unglückliches Szenario ein. Genau nach drei Jahren haben die Aktienmärkte ein vorübergehendes Tief. Und gleichzeitig wird der Immobilienkauf Realität. Jetzt müsste der Investor an einem Tiefpunkt der Märkte verkaufen und hat keine Chance, den folgenden Aufschwung mitzunehmen.

Anhand dieses Beispiels wird klar, dass die richtige Frage bei der Erstellung der Anlagestrategie gewesen wäre: Wäre der Investor bereit auf den Immobilienkauf zu verzichten wenn die Märkte sich nach 3 Jahren negativ entwickeln würden? Lautet die Antwort „nein“, so beträgt der tatsächliche Anlagehorizont des Investors keine 20 sondern lediglich 3 Jahre. Folglich müsste auch ein erheblich niedrigeres Risiko-/Rendite-Niveau gewählt werden. Ein eventueller Verzicht auf den Immobilienkauf geht weit über den finanziellen Aspekt hinaus, und kann einen wichtigen Einfluss auf das Lebensglück des Investors haben.

Der zweite Aspekt der Analyse betrifft die „Psychoanalyse“. Entwickeln sich die Märkte gerade gut, können viele Investoren sich nicht vorstellen, dass es vorübergehend auch mal schlechte Zeiten geben kann.

Eine interessante Frage ist, wie viel Prozent Kursverlust in einem Jahr ein Investor den Märkten zutrauen würde. Obwohl wir gerade vor wenigen Jahren noch hohe zweistellige Prozentzahlen Wertverluste an den Märkten erfahren haben, können viele Investoren sich diese Szenarien für die Zukunft nur schlecht vorstellen. Folglich gehen sie von zu optimistischen Szenarien aus und täuschen sich selbst bei ihrer Risikoneigung. Tritt ein negativer Ernstfall ein, bekommt der Investor frühzeitig kalte Füße. Er verkauft zu einem Tiefpunkt. Und er verpasst anschließend den Aufschwung. Die finanziellen Zahlen waren alle bekannt. Nur die Psyche wollte sie nicht wahrnehmen.

Verzicht- und Risikobereitschaft sind zwei wichtige nicht-finanzielle Komponente einer Anlageentscheidung. In der Praxis bedeuten sie, dass der Investor im Negativfall bereit wäre, vorübergehend auf wichtige Ausgaben zu verzichten, und trotzdem noch gut schlafen kann.

Verzicht- und Risikobereitschaft entscheiden darüber ob der Investor das richtige Fundament hat, um seine Anlagestrategie durchhalten zu können. Sie bestimmen oft über Erfolg und Misserfolg.

Geldanlage ist auch, aber bei weitem nicht nur, eine finanzielle Entscheidung. Sie hat potenzielle Auswirkungen auf das Lebensglück des Investors. Der Investor der sich dessen bewusst ist und bewusst wählen kann, trifft die besten Anlageentscheidungen.

Leider ist es noch immer so, dass viele Investmentberater eine Investmentstrategie anhand von individuellen Wertpapieren und Finanzmarktprognosen definieren.

Professionelle Berater gehen so nicht vor. Sie definieren eine Anlagestrategie mittels eines gewählten Risiko-/Rendite-Niveaus (Strategic Asset Allocation). Diese Definition ist unabhängig von individuellen Wertpapieren und Markteinschätzungen.

Bei der Definition der Strategie geht es nicht darum, vorherzusagen, wie die Finanzmärkte sich entwickeln werden. Sondern es geht darum, zu entscheiden, wie viel Risiko ein Investor im Negativfall noch akzeptieren könnte und möchte.

Hierbei spielt die Länge des Anlagezeitraums eine entscheidende Rolle. Je länger ein Kunde anlegen kann, desto mehr Volatilitätsrisiko kann er theoretisch eingehen. Dieses setzt voraus, dass das Geld auch tatsächlich für die angegebene Zeit zur Verfügung steht. Würde ein Investor während des Anlagezeitraums kalte Füße bekommen, zum Beispiel weil die Märkte heruntergegangen sind, würde viel Wert vernichtet werden. Denn der Investor verkauft zu einem Tiefstand. Und steigt erst wieder ein, nachdem er genug „Beweis“ erhalten hat, dass die Märkte auch wieder ansteigen. So verpasst er zusätzlich den Aufschwung.

Aus diesem Grund ist es bei der Erstellung einer Anlagestrategie für einen Investor extrem wichtig, zu erörtern ob er tatsächlich für den geplanten Zeitraum investiert sein möchte, in guten und in schlechten Zeiten. Diese Analyse ist nichts anderes als eine „Verzichtsanalyse“ und eine „Psychoanalyse“.

Die Verzichtsanalyse erörtert, ob ein Investor sein Geld zwischenzeitlich eigentlich doch bräuchte. Deswegen ist es für einen Investor wichtig, ehrlich zu sich selbst zu sein.

Ein typisches Beispiel ist folgender Praxisfall. Ein Investor hat grundsätzlich einen langen Anlagehorizont von 20 Jahren. Aber es könnte sein, dass er sein Geld bereits in 3 Jahren für einen größeren Immobilienkauf bräuchte. Ob das so tatsächlich kommt, weiß er allerdings noch nicht mit Sicherheit. Die Frage ist jetzt, für welchen Anlagehorizont geplant wird. Investoren die nicht ehrlich zu sich selbst sind könnten sagen: „Wir legen das Geld mit einem Horizont von 20 Jahren an. Und wenn ich das Geld in drei Jahren brauche, sehen wir dann weiter. Wir legen mit einem hohen Risiko an. Es wird schon nichts schief gehen.“

Jetzt tritt ein für den Investor unglückliches Szenario ein. Genau nach drei Jahren haben die Aktienmärkte ein vorübergehendes Tief. Und gleichzeitig wird der Immobilienkauf Realität. Jetzt müsste der Investor an einem Tiefpunkt der Märkte verkaufen und hat keine Chance, den folgenden Aufschwung mitzunehmen.

Anhand dieses Beispiels wird klar, dass die richtige Frage bei der Erstellung der Anlagestrategie gewesen wäre: Wäre der Investor bereit auf den Immobilienkauf zu verzichten wenn die Märkte sich nach 3 Jahren negativ entwickeln würden? Lautet die Antwort „nein“, so beträgt der tatsächliche Anlagehorizont des Investors keine 20 sondern lediglich 3 Jahre. Folglich müsste auch ein erheblich niedrigeres Risiko-/Rendite-Niveau gewählt werden. Ein eventueller Verzicht auf den Immobilienkauf geht weit über den finanziellen Aspekt hinaus, und kann einen wichtigen Einfluss auf das Lebensglück des Investors haben.

Der zweite Aspekt der Analyse betrifft die „Psychoanalyse“. Entwickeln sich die Märkte gerade gut, können viele Investoren sich nicht vorstellen, dass es vorübergehend auch mal schlechte Zeiten geben kann.

Eine interessante Frage ist, wie viel Prozent Kursverlust in einem Jahr ein Investor den Märkten zutrauen würde. Obwohl wir gerade vor wenigen Jahren noch hohe zweistellige Prozentzahlen Wertverluste an den Märkten erfahren haben, können viele Investoren sich diese Szenarien für die Zukunft nur schlecht vorstellen. Folglich gehen sie von zu optimistischen Szenarien aus und täuschen sich selbst bei ihrer Risikoneigung. Tritt ein negativer Ernstfall ein, bekommt der Investor frühzeitig kalte Füße. Er verkauft zu einem Tiefpunkt. Und er verpasst anschließend den Aufschwung. Die finanziellen Zahlen waren alle bekannt. Nur die Psyche wollte sie nicht wahrnehmen.

Verzicht- und Risikobereitschaft sind zwei wichtige nicht-finanzielle Komponente einer Anlageentscheidung. In der Praxis bedeuten sie, dass der Investor im Negativfall bereit wäre, vorübergehend auf wichtige Ausgaben zu verzichten, und trotzdem noch gut schlafen kann.

Verzicht- und Risikobereitschaft entscheiden darüber ob der Investor das richtige Fundament hat, um seine Anlagestrategie durchhalten zu können. Sie bestimmen oft über Erfolg und Misserfolg.

Geldanlage ist auch, aber bei weitem nicht nur, eine finanzielle Entscheidung. Sie hat potenzielle Auswirkungen auf das Lebensglück des Investors. Der Investor der sich dessen bewusst ist und bewusst wählen kann, trifft die besten Anlageentscheidungen.

Quelle/Source: yeald.de

AddThis Social Bookmark Button     Posted in Deutsch from Investor on 4. Jan. 2007


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