Investment-Mythos 2: Ein guter Berater kann die Marktentwicklung vorhersehen
Viele Investoren meinen, dass eine gute Beratung sie vor Risiko schützt. In Wirklichkeit ist das Risiko dann meistens größer als erhofft. Deswegen sollte es bei der Investmentstrategie explizit berücksichtigt werden.
Wie erkennt man einen guten Investmentberater?
Die häufigste Antwort auf diese Frage ist Folgende. Ein guter Berater kennt die Märkte. Er kann die Entwicklungen an den Märkten vorhersehen und so den Kunden vor Risiken schützen. Leider gibt es kaum eine Antwort die weiter von der Realität entfernt ist als diese Antwort.
Denn niemand kann Anfang und Ende von Hausse und Baisse an den Finanzmärkten zuverlässig vorhersagen. Der Grund dafür ist logisch. Die Welt ist nicht nur zu komplex um sie durchschauen zu können. Sie ist auch zu launisch um sich immer gleichmäßig zu verhalten. Mit anderen Worten, der Zufall hat eine große Auswirkung auf die Ereignisse die unser Leben beeinflussen.
Ein typisches Beispiel sind die Terrorangriffe in Amerika am 9/11. Kaum jemand konnte diese Ereignisse vorhersagen. Jedenfalls nicht Ihr Investmentberater.
Es gibt verschiedene Ausprägungen von Risiko. Im Investmentgeschäft sind die Schwankungen der Wertpapierpreise ein zentrales Maß für das Risiko, auch Volatilität genannt. Mathematisch gesehen ist die Volatilität nichts anders als die Standardabweichung, so wie sie aus der Statistik bekannt ist. Diese Form von Risiko wird für alle Wertpapiere gemessen. Genau so werden die Renditen von Wertpapieren über die Jahre gemessen. Diese Daten sind wichtige Gegebenheiten bei der Entwicklung einer Investmentstrategie.
Der Vergleich mit dem Wetter ist interessant.
Die Meteorologie erklärt selbst, dass sie das Wetter nur für zwei bis drei Tage zuverlässig vorhersagen kann. Ob es in einer Woche regnen wird oder ob die Sonne scheinen wird ist nicht zuverlässig vorherzusagen. Gleichzeitig wissen wir aus Langzeitbeobachtungen, dass die Temperatur im Sommer im Durchschnitt höher ist als im Winter.
Ähnlich kann ein Investmentberater nicht vorhersagen was die Börse nächste Woche macht (scheint die Sonne oder regnet es?). Er weiß aber, dass Aktien langfristig im Durchschnitt eine Rendite von 9 bis 11 Prozent erwirtschaften. Diese Langzeiteinsichten sind für eine Investmentberatung sehr wertvoll.
Kurzfristig lässt sich das Risiko (die Schwankung) nicht vorhersagen. Deswegen lässt es sich auch nicht eliminieren. Langfristig aber gleichen sich die Schwankungen immer öfter aus und die durchschnittliche Rendite tritt ans Tageslicht.
Deswegen kann Ihr Berater das Risiko verschiedener Anlagekategorien grundsätzlich nicht verringern. Er kann Ihnen aber helfen, das Risiko-/Rendite-Niveau Ihres Portfolios im Laufe der Jahre kontinuierlich an Ihre Situation anzupassen.
Somit ist nicht die Auswahl einzelner Wertpapiere die wichtigste Anlageentscheidung die Sie treffen. Es ist das Risiko-/Rendite-Niveau. Dieses Risiko-/Rendite-Niveau ist nicht starr, sondern wird dynamisch über die Jahre, passend zu Ihrer persönlichen Situation, geplant.
Nach der Planung Ihres Risiko-/Rendite-Niveaus (im Fachjargon auch Asset Allocation genannt), ist die Auswahl von qualitativ guten Wertpapieren, zur Umsetzung der definierten Strategie, die nächste Aufgabe Ihres Beraters.
Durch eine geschickte Auswahl der Wertpapiere kann er die zwischenzeitlichen Schwankungen nicht eliminieren. Er maximiert jedoch die Wahrscheinlichkeit, dass sich das geplante Niveau von Risiko und Rendite langfristig tatsächlich verwirklicht.
Ein guter Berater kann Sie nicht vor Risiko behüten. Er kann Ihnen helfen das für Sie richtige Risikoniveau zu wählen. Und bei einer anschließend guten Auswahl der Wertpapiere wird Ihre Risikobereitschaft langfristig mit einer entsprechenden Rendite belohnt.
Quelle/Source: yeald.de
