Investment-Mythos 3: Beste Performance gibt es nur mit komplexen Produkten und häufigem Traden
Börsenprofis handeln kontinuierlich die komplexesten Finanzprodukte und verdienen so viel Geld. Das stimmt sogar, gilt aber trotzdem nicht für Investoren.
Denn Börsenprofis sind Händler. Sie besitzen die Finanzprodukte nicht sondern handeln diese. Jeder Kauf und Verkauf bringt Geld. Dabei ist es im Prinzip egal welches Produkt gehandelt wird, Hauptsache es wird gehandelt.
Aus meiner eigenen Zeit an der Börse kann ich berichten, dass viele Händler keine erfolgreichen Investoren waren. Sie konnten gut handeln. Und das ist ein ganz anderes Fach.
Trotzdem hält sich hartnäckig das Gerücht, dass erfolgreiche Investoren hyperaktive Typen sind, die dem Charakter von Gordon Gekko im Film Wall Street ähneln.
Dabei trifft dieses eher auf Investment Banker (die sogenannten Handelsanimateure) als auf Investoren zu. Auch Investment Banker leben davon, dass Andere kaufen und verkaufen. Ähnlich wie Investment Banker pflegen manche Private und Retail Banker gerne die Vorstellung, dass Investoren viel handeln sollten. Denn jeder Kauf und Verkauf bringt Geld.
Seit Anfang des Wertpapierhandels für Privatinvestoren bilden Transaktionsgebühren das dominierende Vergütungsmodell für Banken. Somit haben Banken mehr Anreize, dass der Kunde viel handelt, als dass er erfolgreich handelt. Natürlich hat die Bank auch ein Interesse daran, dass der Kunde erfolgreich ist, denn sonst hat er kein Geld mehr zum Handeln.
Diese Diskrepanz zwischen Kundeninteresse und Bankinteresse ist weiterhin gegeben. Seit einigen Jahren bieten Banken und andere Finanzdienstleistungsinstitute verstärkt alternative Vergütungsmodelle an, welche mehr auf den Anlageerfolg als auf die Handelshäufigkeit abzielen.
Daneben haben Banken angefangen andere Einkünftequellen im Investmentgeschäft zu erschließen. Zertifikate sind ein typisches Beispiel dieser Entwicklung. Es gibt mittlerweile eine Vielzahl an Zertifikaten für jede erdenkliche Investmentidee. Viele der Zertifikate werden sogar „gratis“ gehandelt.
Was dem Privatanleger nicht bewusst wird, ist, dass die Banken oft 5 bis 7 Prozent Vertriebsprovision oder Marge bei dem Verkauf der Zertifikate einnehmen. Auch hier ist der Kundenhandel für die Bank wichtiger als der Kundenerfolg.
Untersuchungen haben ergeben, dass Privatinvestoren mit diesen Instrumenten und Handelsstrategien langfristig meistens schlechte Anlageergebnisse erzielen. Der wichtigste Grund hierfür ist die Tatsache, dass viele Anleger implizit auf eine Form des Market Timings setzen.
Hinzu kommt, dass viele der „innovativen“ Finanzinstrumente auf eine Form von Hebelwirkung setzen, wodurch das Risiko-/Rendite-Profil schnell an eine „Alles-Oder-Nichts“-Wette erinnert. Es gibt kaum Investoren die es sich wirklich leisten können, dauerhaft kurzfristige „Alles-Oder-Nichts“-Wetten einzugehen.
Erfolgreiche Investoren sind der Regel überlegter. Denn es gibt kein Easy Money. Erfolg im Investmentgeschäft erfordert viel Zeit und Mühe oder einen guten Berater.
Für die meisten Privatanleger ist häufiges Handeln nicht zielführend. Und komplexe, kurzfristige Produkte dienen höchstens einer gelegentlichen Optimierung, aber eignen sich in der Regel nicht als Kernelement einer langfristigen Anlagestrategie.
Investition und Spekulation sind zweierlei.
