Investment-Mythos 5: Hedgefonds sind besonders erfolgreich
Hedgefonds haben mittlerweile den Status einer finanziellen Wunderwaffe erreicht. Dabei werden viele Hedgefonds langfristig gar nicht erfolgreich sein. Es gibt unterschiedliche Typen von Hedgefonds und nur ein selektiver Einsatz kann Erfolg bringen.
Ich bekomme viele Fragen von Investoren, die wissen möchten, ob sie in Hedgefonds investieren sollten. Diese Frage ist nur sehr differenziert zu beantworten. Nicht nur ist jede persönliche Anlagemotivation anders. Auch jeder Hedgefonds ist anders. Hinter dem Begriff Hedgefonds verbirgt sich eine äußerst heterogene Gruppe von Anlageprodukten, mit sehr unterschiedlichen Anlagestrategien und Risiko-/Rendite-Profilen.
Der Markt für Hedgefonds-Produkte ist sehr stark in Bewegung. Der Internationale Währungsfonds unterscheidet momentan folgende Fondstypen:
1. Arbitragefonds
Diese Gruppe der sogenannten marktneutralen Hedgefonds versucht, unabhängig von der Marktrichtung, Ineffizienzen in der Preisstellung von sehr ähnlichen Anlagen auszunutzen. Laufen z.B. die Preise von zwei sehr vergleichbaren Corporate Bonds kurzfristig und ohne inhaltlichen Grund stark auseinander, kauft der Fonds den einen Bond und verkauft den anderen per Termin (Long und Short-Position in zwei fast identischen Bonds). Gibt es tatsächlich keinen inhaltlichen Grund für den kurzfristigen Preisunterschied, so gleichen sich die Preise der beiden Bonds im Laufe der Zeit wieder an und der Fonds macht einen Gewinn.
2. Special Situations Fonds
Die Special Situations Fonds versuchen aus einzigartigen Ereignissen, wie Übernahmen, Konkursdrohungen oder Restrukturierung, ihren Vorteil zu ziehen. Ein typisches Beispiel war die faktische Dominanz der Deutschen Börse durch den Hedgefonds TCI. Ein anderes Beispiel ist das gegenwärtig von Hedgefonds gewitterte Restrukturierungspotenzial im Smart-Bereich bei DaimlerChrysler.
3. Long/Short Fonds
Long/Short Fonds nehmen sowohl Käufe als auch Leerverkäufe vor. Mit Leerverkäufen sind sie grundsätzlich in der Lage, von sinkenden Kursen zu profitieren. Während viele Fonds behaupten, hierdurch ihr Risiko relativ niedrig zu halten, zeigt die Praxis, dass Long/Short Fonds eher über die gesamte Risiko-Skala verteilt sind.
4. Taktische Trading Fonds
Taktische Trading Fonds setzen darauf, die Richtung eines Marktes vorhersagen zu können. Das klassische Beispiel ist der Quantum Fund von George Soros, der erfolgreich gegen das englische Pfund wettete.
Ein weiterer Fondstyp ist der Hedge-Dachfonds. Dieser Fonds verwaltet Gelder, die über eine Reihe von oben erwähnten Hedgefonds verteilt werden.
Der internationale Hedgefonds-Markt ist extrem undurchsichtig. Die meisten Hedgefonds wurden in den USA aufgelegt. Oft handhaben diese Fonds Minimum-Beteiligungsgrößen von einer Million Dollar pro Investor. Somit vermeiden sie, bestimmten Reporting- und Aufsichtspflichten unterlegen zu sein. Vor diesem Hintergrund ist es für die internationalen Finanzbehörden sehr schwierig, eine umfassende Übersicht und Aufsicht zu entwickeln.
Die in Deutschland zum Vertrieb zugelassenen Hedgefonds bilden bezüglich Transparenz eine positive Ausnahme. Sie sind von den Finanzbehörden geprüft und zugelassen worden und unterliegen den deutschen Reporting- und Aufsichtspflichten.
Weltweit betrachtet ist der langfristige Erfolg von Hedgefonds noch völlig offen. In Zeiten einer klaren eindeutigen Marktrichtung können Hedgefonds ihre Möglichkeiten der Hebelwirkung und Leerverkäufe gut ausnutzen. Sobald der Markt keine eindeutige Richtung mehr hat, wird es für viele Hedgefonds schwieriger oder gefährlicher, gute Renditen zu erwirtschaften.
Ein typisches Beispiel für diesen Effekt war die Tatsache, dass im ersten Quartal dieses Jahres alle Hedgefonds weltweit im Durchschnitt eine negative Rendite ablieferten. In der ersten Hälfte des ersten Quartals sank der Dow Jones Industrial Average und in der zweiten Hälfte stieg er an. Die Hedgefonds, die für ihren Erfolg von einer klaren Marktrichtung abhängig sind, hatten eine schwierige Zeit.
Natürlich sollte man nicht vergessen, dass klassische Aktienfonds regelmäßig “negative” Quartale produzieren. Der Unterschied zu den Hedgefonds ist die Tatsache, dass konventionelle Aktienfonds hauptsächlich “Long-Positionen” haben (Aktienbesitze) und die langjährige Erfahrung zeigt, dass Aktien über längere Zeiträume eine klar positive Rendite generieren.
Da das Ergebnis eines Hedgefonds nicht eindeutig von der Richtung des Marktes abhängt, lässt sich der langfristige Erfolg nicht aus Marktentwicklungen ableiten. Diese niedrige Korrelation mit der Marktentwicklung hat aber umgekehrt auch etwas Positives. Manche Hedgefonds schaffen es tatsächlich bei relativ niedrigem Risiko passende Renditen zu erwirtschaften.
Da die Ergebnisse der Hedgefonds nicht direkt mit der Entwicklung des Marktes zusammenhängen, lässt sich ein Hedgefonds grundsätzlich nur individuell, nach seiner Anlagestrategie beurteilen. Die Hedgefonds die von ihrer eigenen Qualität überzeugt sind, werden im Laufe der Zeit deswegen stärker die Öffentlichkeit suchen und Investoren einen tieferen Einblick in ihre Strategie bieten.
