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Investment-Mythos 6: Deutsche Anlagen sind sicherer


Viele Anleger meinen, eine Anlagestrategie die ausschließlich auf deutsche Papiere setzt ist sicherer als eine Strategie die auch ausländische Wertpapiere berücksichtigt. Das Gegenteil ist der Fall.

Stellen Sie sich vor, Ihr Anlageberater würde Ihnen empfehlen, Ihr Geld ausschließlich in finnische Wertpapiere zu investieren. Hätten Sie das Gefühl, Ihre Risiken und Chancen wären gut diversifiziert? Wahrscheinlich nicht.

Trotzdem halten viele Anleger es für völlig normal, dass Ihr Berater Ihnen eine rein deutsche Anlagestrategie vorschlägt. Es wirkt irgendwie sicherer als eine internationale Anlagestrategie.

Warum wirkt eine deutsche Anlagestrategie sicherer als eine internationale Anlagestrategie? Hierfür gibt es zwei Hauptgründe.

Der erste Grund ist ein rein psychologisch: “Was der Bauer nicht kennt, frisst er nicht”. In Deutschland kennt man sich aus. Man kennt die Unternehmen, man kennt die Wirtschaft, man kennt die Politik. Alles wirkt bekannt. Bis auf Nokia kennt man die finnischen Unternehmen nicht, man kennt die Wirtschaft nicht und man kennt die Politik nicht.

Unbekannt macht unbeliebt. In vielen Fällen zu Unrecht. Denn jedes Land hat seine Chancen und Risiken. Und viele Länder zusammen bieten dem Anleger viele Chancen und Risiken.

Der zweite Grund sind die analytischen Risikofaktoren. Wenn im Ausland investiert wird, wird die Anzahl der Risikofaktoren um typische Auslandsfaktoren erweitert und die allgemeinen Risikofaktoren könnten im Ausland stärker wirken als im Inland.

Das erste Risiko, das meistens erwähnt wird ist das Währungsrisiko. Wenn Sie Wertpapiere kaufen, die den Dollar als Basiswährung haben, haben Sie als deutscher Anleger das Risiko, dass sich der Wechselkurs von Dollar zu Euro ändert.

Das nächste Risiko ist das Länderrisiko. Dahinter verbirgt sich nicht die Bonität eines Landes, sondern das Risiko der wirtschaftlichen und politischen Instabilität eines Landes und der davon betroffenen Wertpapiere. Argentinien hat gerade eine sehr turbulente Zeit hinter sich und viele Wertpapiere waren davon betroffen.

Insgesamt gilt, dass sämtliche Risikofaktoren, wie z.B. Konjunkturrisiko, Inflationsrisiko, Liquiditätsrisiko, Bonitätsrisiko, unternehmerisches Risiko, Kursänderungsrisiko usw. im Ausland wirken können. Es ist aber nicht so, das jedes dieser Risiken im Ausland per Definition größer ist als im Inland. So gibt es viele Länder, die seit längerer Zeit eine bessere Konjunktur haben als Deutschland.

Eine Anlage in deutschen Wertpapieren ist also mit weniger Risikofaktoren behaftet. Wenn ein deutscher Anleger eine festverzinsliche Anlage mit größtmöglicher Sicherheit sucht, macht es in der Regel keinen Sinn, zusätzliche Risikofaktoren einer internationalen Anleihe einzubringen.

Für Anleger, die eine höhere Rendite wünschen und einen Teil ihres Vermögens in Aktien investieren möchten, gilt aber das Gegenteil.

Denn, obwohl mit einer internationalen Aktienstrategie mehr Risikofaktoren gegeben sind als mit einer rein deutschen Anlagestrategie, sieht das Resultat in der Praxis oft erstaunlich anders aus.

International diversifizierte Anlagen bieten mehr Rendite bei niedrigerer Volatilität als undiversifizierte deutsche Anlagen. Dieses Ergebnis wird manchen Anleger überraschen. Höhere Rendite bei niedrigerem Risiko? Das geht doch gar nicht? Risiko und Rendite gehen doch Hand in Hand. Das stimmt, aber nur wenn man von „guten“ Portfolios redet. Ein nationales Portfolio ist fast per Definition so „schlecht“ strukturiert, dass es eine unangemessen schlechte Rendite im Verhältnis zum Risiko erwirtschaftet.
Die Kapitalmarkttheorie würde sagen: „Ein rein deutsches Portfolio ist kein effizientes Portfolio“. Das Gleiche gilt übrigens für rein amerikanische, finnische, spanische oder sonstige rein nationale Portfolios.

Der Grund ist einfach. Ein guter Investmentmanager wählt die besten Unternehmen aus. Wenn ein Anleger durch seine Anlagestrategie eine Einschränkung der Auswahl vorgibt, bleiben viele gute Unternehmen unberücksichtigt. Eine deutsche Anlagestrategie bedeutet nichts anderes als: „Ich will in meinem Portfolio keines der besten Unternehmen aus Finnland, Spanien, Italien, Japan, den Niederlanden, Kanada, Frankreich, den USA, England, Schweden usw. haben.“

Dazu kommt, dass die sonstigen Risikofaktoren bei einem deutschen Portfolio „klumpartig“ zuschlagen können. Wenn eine Wahl unglücklich ausgeht, oder ein Rentensystem reformiert werden muss, sind alle Unternehmen im Portfolio gleichzeitig davon betroffen. Es ist der typische Effekt wenn der Anleger “alle Eier in ein Körbchen legt”.

Obwohl bei internationalen Anlagestrategien mehr Risikofaktoren berücksichtigt werden müssen, ist das Resultat oft besser als bei nationalen Anlagestrategien. Insbesondere für Anleger, die eine langfristige Sicht haben, ist die internationale Strategie der richtige Anfangspunkt für die Definition einer Anlagestrategie.

Quelle/Source: yeald.de

AddThis Social Bookmark Button     Posted in Deutsch from Investor on 5. Dec. 2006


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