Investment-Mythos 9: In einem fallenden Aktienmarkt können Investoren kein Geld verdienen
Steigen die Aktienkurse, verdienen Investoren Geld. Sinken die Kurse, können Investoren kein Geld verdienen. Lange Zeit galt dieses Prinzip - heute jedoch ist es überholt.
So einfach war ein Investment einmal. Mit der Entwicklung von Derivaten wie Futures und Optionen wurde es jedoch möglich, auch mit sinkenden Kursen Geld zu verdienen. Während Derivate ursprünglich lediglich zur Absicherung von offenen Investmentpositionen eingesetzt wurden, hat sich der Einsatz im Laufe der Jahre zum Aufbau von offenen Investmentpositionen ausgeweitet.
Und es gibt Derivate für fast jeden Markt: Dieses umfassende Instrumentarium ermöglichte die Entwicklung von Produkten, die primär in Derivate investieren. Bei vielen Hedgefonds und Zertifikaten ist dies heute zum Beispiel der Fall.
In den Investment Mythen 3 und 5 wurde darauf hingewiesen, dass komplexe Produkte nicht unbedingt zu besseren Anlageergebnissen führen und Hedgefonds nicht per Definition erfolgreich sind. Unter den vielen, vielen Produkten gibt es aber auch einige Produkte von hoher Qualität, die dem Investor einen einzigartigen Nutzen bieten können.
Mit Hedgeprodukten das Portfolio diversifizieren
Denn mit Zertifikaten und Hedgefonds können Investoren auch in Zeiten sinkender Aktienkurse Geld verdienen. Ein Teil dieser Produkte ist darauf ausgelegt, unabhängig von der Bewegung der Aktienkurse attraktive Renditen zu erzielen. Und manche Produkte können mittlerweile eine gute historische Entwicklung in unterschiedlichen Marktlagen vorweisen.
Doch auch diese Produkte können das Gesetz von Risiko und Rendite nicht außer Kraft setzen. Die Volatilität der Ergebnisse kann erheblich sein. Das Besondere dieser Produkte ist, dass ihre Ergebnisse auch in Zeiten rückläufiger Aktienkurse positiv waren.
Obwohl die betreffenden Produkte in Deutschland meistens über das Vehikel des Zertifikates angeboten werden, verbirgt sich dahinter die Strategie eines Hedgefonds. Qualitativ gute Hedgeprodukte können eingesetzt werden, um ein Portfolio zu diversifizieren und weniger abhängig von den Aktienmärkten zu machen. Somit wird das Risiko eines Portfolios gesenkt ohne das Renditeniveau zu senken.
Hedgeprodukte sind aber für mehr als lediglich Diversifikation einzusetzen. Bei der Breite und Tiefe des heutigen Marktes ist es durchaus möglich, ein sinnvolles Portfolio aufzubauen, das ausschließlich aus Hedgeprodukten besteht. Ein solches Portfolio ist natürlich eine Extremvariante.
Die Hedgestrategie versucht nicht, die Marktentwicklung zu “timen”
Eine sehr interessante Anlagestrategie ist die Hedgestrategie. Ein Portfolio mit einer Aktienquote wird mittels Hedgeprodukten diversifiziert. Steigt die Unsicherheit am Aktienmarkt, wird der Anteil der Hedgeprodukte im Portfolio hochgefahren. Sinkt die Unsicherheit, sinkt auch der Anteil der Hedgefonds. So wird das Portfolio besser ausbalanciert und vor Baissephasen im Aktienmarkt geschützt. Diese Strategie ist nicht zu verwechseln mit Market Timing. Market Timing impliziert, dass ein Investor die Richtungsänderungen des Aktienmarktes zeitlich präzise vorhersehen kann. Wie wir wissen, gibt es an den Finanzmärkten jedoch keine Hellseher. Entsprechend führt eine Konzentration aufs Market Timing in der Regel nicht zu einem positiven Ergebnisbeitrag.
Bei der Hedgestrategie wird jedoch gar nicht versucht, die Marktentwicklung zu „timen“. Der Investor tauscht Aktien gegen Hedgeprodukte. Hierdurch bleibt er weiterhin in Produkten mit einem ähnlich hohen Risiko-/Rendite-Niveau investiert, macht sich aber unabhängiger von der Richtung der Aktienmärkte. Diese Art der Steuerung hat einen mittelfristigen Horizont, während Market Timing kurzfristig orientiert ist.
In fallenden Märkten mit Zertifikaten und Hedgefonds Geld verdienen
An den Finanzmärkten wird es nie so sein, dass alle Investoren zum gleichen Zeitpunkt den gleichen Risiko-/Rendite-Bedarf und die gleichen Erwartungen für den Markt haben. Diese Heterogenität der Anlegerbedürfnisse fördert einen Tausch von Investmentpositionen.
Obwohl diese Heterogenität schon immer in den Finanzmärkten vorhanden war, war es für Privatinvestoren lange Zeit fast unmöglich, diese auszunutzen. Heute gibt es qualitativ sehr gute Manager und Produkte, mit entsprechenden „Track Records“.
Wer im riesigen Angebot der Zertifikate und Hedgefonds die Spreu vom Weizen trennt, kann auch in fallenden Märkten Geld verdienen und sein Portfolio besser vor Risiken schützen.
